55 Jahre Neckario Chronik der KG Neckario zum 55jährigen Vereinsjubiläum (2006/07) Schon lange vor dem 2. Weltkrieg zogen am Fastnachtsdienstag die Neckarelzer Buben und Mädchen mit Masken und Rasseln durchs Dorf, um ihren Altvorderen einen Streich zu spielen oder ihnen ein Lumpenverschen zu singen. Ihre Eltern gingen zu den von den beiden Gesangvereinen veranstalteten Maskenbällen. Nach dem Krieg, noch in den vierziger Jahren, gab es im Kinosaal des „Löwen“ (heute „Alte Posthalterei“) bereits eine von dem einzigen verbliebenen Gesangverein organisierte Abendveranstaltung mit Büttenreden und Schunkelrunden. Die ursprünglich alemannisch geprägte Neckarelzer Fastnacht bekam rheinische Züge, auch Umzüge „allemannischer“ Art, weil fast alle Vereine, viele Firmen und Gruppen sich beteiligten. Das fehlt uns heute. In der Kampagne 1951/52 hatte Friedrich Senk die Idee, eine Faschingsgesellschaft zu gründen. Am 16. Dezember 1951 wurde im Gasthaus „Zum Hirsch“ die Gründungsurkunde unterschrieben (abgedruckt in der Narrenschelle 1995/96) und der Name „Neckario“ geboren. Doch erst im Januar 1956 legte eine Mitgliederversammlung die Farben des Vereins, blau und weiß, fest und gab ihm eine Satzung. In der Holzbaracke am Sportplatz stieg dann 1957 die erste „Fremdensitzung“, allerdings mit mäßigem Zuspruch, weil viele Neckarelzer diese Firmierung wohl wörtlich nahmen. 1959 wechselte der Vorsitz der KG Neckario von Erich Heinrich an Franz Schade. Es begann die Zeit der Sitzungen in der Sporthalle der Volksschule an der Mosbacher Straße mit ihrem Präsidenten Hermann Haarmann, dem 1966 für 14 Jahre der einmalige Hermann Endlich folgte. 250 Personen hatten Platz, fast 1000 wollten rein, das Ergebnis ist klar: Es gab jedes Jahr mehrere Sitzungen mit 300 Besuchern unter dem Motto: Eng und voll schön! Für die Aktiven war das jedoch mit viel Arbeit verbunden und kostete manchen Schweißtropfen mehr als erträglich. So freute man sich auf den Umzug in die neue große Pattberghalle im Jahre 1980. Aber das Ambiente der alten Schulhalle wurde nie wieder erreicht. In der Kampagne 1975/76 ergab sich ein neues Problem: Neckarelz war gegen den erklärten Willen der meisten seiner Bürger ein Stadtteil Mosbachs geworden. Unser Ehrensenator Bürgermeister Wilhelm Weißbrod hatte seinen Amtssitz jetzt in der Großen Kreisstadt, neben einem OB Baier und einem BM Obermeier. Wer sollte nun wo unserer Symbolfigur, dem Neck, bei seiner Einholung den Schlüssel zu welcher Stadtkasse überreichen? Nun, diese Frage wurde rasch geklärt, weil sich alle als echte Narren erwiesen, und die Neckario hat in allen Mosbacher BM und OB Freunde und Fürsprecher gehabt. Die KG Neckario war ein gesellschaftlich sehr angesehener Verein geworden (Frau Ministerin a.D. Griesinger ist bis heute unser Ehrenmitglied), es gab einen Senat mit 3 x 11 Mitgliedern, die den Verein finanziell und ideell unterstützten, aber auch den Elferrat stellten. Vor der Neckeinholung trafen sich die Senatoren mit den Honoratioren im Hirschsaal zum traditionellen Forellenessen und bestimmten dabei den Elferrat. Viele unersetzliche Helfer und Aktive fühlten sich dadurch hintangesetzt, und der „Verein im Verein“ wurde im allseitigen Einvernehmen Ende der 80iger Jahre aufgelöst. Um die Jahreswende 1983/84 hatten uns unsere Galionsfiguren Hans Hertel und Franz Schade für immer verlassen. Das Fernsehen übertrug mit seinen unbegrenzten Mitteln Prunksitzungen aus den Hochburgen der Fastnacht. Schwere Zeiten kamen auf die Neckario zu. Der Wandel drückte sich auch in den Uniformen der Elferräte aus: die burgunderrote Jacke war dem dunkelblauen Smoking gewichen, nun kam die etwas legerere weiße Jacke. Präsident Otto Lindenbach und Vorsitzender Toni Lengenfelder sind die Namen, die mir spontan als die Steuermänner jener Tage einfallen. Das 22. Fränkische Narrentreffen 1987 in Mosbach und Neckarelz mit einem von 30 000 Zuschauern bejubelten Umzug wurden von ihnen zusammen mit der Feurio Mosbach unter ihrem Präsidenten Alfred Ratz organisiert. Der Gewinn aus dieser Veranstaltung bildete den Grundstock für das Revival, wie man heute wohl sagt, der Neckario nach dem Golfkrieg mit seiner Zwangspause für die Fastnacht Anfang der 90iger Jahre. Und die Initiative von Hermann Haarmanns Enkel Mathias Müller. Zusammen mit Hermann Endlich als Präsident bis 1996 gelang es ihm, den Verein aus der Resignation herauszuführen. Eine neue „schlagkräftige“ Truppe, unterstützt von einigen „Weißkitteln“, wie Ingrid und Klaus Stecher, Werner Bechtold und Josef Herbst -um nur einige zu nennen-, wählte die bestimmende Farbe Türkis zum Weiß für ihre Uniformen in der neuen Kampagne 1992. Bekannte (Birgitta und Manuela) und neue Gesichter (Anne und Nicole) führten die drei Garden zu neuem Erfolg und begeisterten die Elferräte und ihre Damen zu eigenen Schautänzen. Begnadete Büttenredner/innen wie u.a. Frau Alka und Frau Sauer, die Herren Thiemann, Schnader und Neureither sind unvergessen, ebenso z.B. „Die Müden“, neue kamen hinzu (Birgitta, Roswitha, Mathias, Martin und der Hirsch, die Schulmädchen...), andere hielten dem Verein die Treue, wie z.B. unser heutiger Europaabgeordneter Dr. Ulmer. Günther Scheuermann, Gerd von Hülsen, Uwe Spohrer, Klaus Brommer und Martin Husfeldt führten den Verein in wechselnden Funktionen bis in dieses Jubiläumsjahr. Zusammen mit den mittlerweile 250 Mitgliedern, davon über 100 Aktive, garantieren sie den Fortbestand unserer traditionellen Brauchtumsveranstaltungen und wirken bei den Veranstaltungen anderer Neckarelzer Vereine (z.B. Kerwe, Weihnachtsmarkt, Vereinsschießen) und vielen auswärtigen Veranstaltungen mit (z.B. Mosbacher Rathausstürmung, Fastnachtsempfänge der Landesregierung), getreu dem Motto der Gründungsurkunde der Neckario von 1951 „zum Wohl und zur Unterhaltung aller unserer lieben Neckarelzer Mitbürger“. |